DAS LEBEN ERFAHREN
Dieses Kind erfährt die Welt. Es nimmt sie wahr, spürt, sieht, hört, tastet, schmeckt - alle Sinne werden mit Reizen überflutet. Das Kind taucht in diese Reize ein wie Dagobert Duck in seine Taler. Und das Besondere daran, und somit der große Unterschied zu uns Erwachsenen: Es tut dies neutral.
Das Kind probiert die Kiwi. Neu wie diese Erfahrung ist, löst dies eine absolute Explosion der Sinnesnerven aus. Die Synapsen feuern! Wunderschön kann man dies auch an der Körpersprache ablesen. Doch das Kind wertet nicht. Egal wie sauer die Kiwi und wie stark die Körperreaktion ist, es wird nicht als gut oder schlecht gewertet. Sondern als reine Erfahrung. Und so stürzt sich das Kind wieder und wieder in diese Erlebniswelt, beißt mehrere Male in die Kiwi, um das zu erforschen, was da in ihm passiert. Die Wellt in sich aufzusaugen.
»Und nochmal! YEAH! Erfahrung! Boah! UND NOCHMAL!!«
Kinder tragen diesen unverbrauchten, unverkorksten offenen Zustand noch in sich, es ist ihr Sein. Das ganze Leben ist auf lernen, erfahren und verstehen ausgerichtet und dabei wir alles mit großen staunenden Augen betrachtet. Ununterbrochen erforschen die Kinder mit ihrem unermüdlichen Forscherdrang die Welt. Und selbst wenn sie schlafen, hört dies nicht auf, denn im Schlaf werden all diese Informationen verarbeitet. Sie sind von Natur aus unersättlich wissbegierig und experimentierfreudig. Es wird einfach ausprobiert, korrigiert, abgeguckt, nochmal versucht. Doch ein Kind jammert nicht, wenn es nicht funktioniert oder es hinfällt. Es macht einfach unermüdlich weiter, bis es dann irgendwann beispielsweise sitzen, stehen, gehen, sprechen kann.
Lernen vs. Schulen
Anders, als es uns oft erzählt wird, muss ein Kind das Lernen nicht lernen! Kinder, diese wunderschönen, reinen göttlichen Wesen, sind mit all ihrem Sein genau darauf ausgerichtet. Sie wollen lernen und sie tun dies ohne Unterlass. Richtiger könnte man es nicht machen, als ein Kind es auf natürliche Weise tut. Aufpassen müssen wir nur, dass wir die Neugierde und die Lernlust des Kindes nicht unterdrücken oder gar zerstören. In den meisten Fällen geschieht dies dramatischer Weise spätestens in der staatlichen Einrichtung Schule mit ihrem jeden Keim der Neugier und Wissbegierde erstickenden Frontalunterricht ohne jeglichen Raum für kreatives, vielfältiges und eigenständiges Denken. Vor allem - gerade in der vermehrt digitalisierten Welt - liegt der Fokus auf dem Denken. Das körperliche Lernen und Erfahren, welches gerade für Kinder unerlässlich ist, wird hierbei außer Acht gelassen. Ein Kind verknüpft und speichert Erfahrungen und Informationen vor allem über seine Sinne und über die Haptik. Wie soll dies geschehen, wenn das Kind über ein Display wischt?
Von den Kindern lernen
Wir Erwachsenen haben diese Art des Lernens und Seins teilweise verlernt. Doch wir können uns von den Kindern inspirieren lassen und diese verspielte, entdeckerfreudige und staunende Einstellung unseres eigenen inneren Kindes wiederentdecken und -beleben. Und die Welt und das Leben - und vor allem uns selbst - wieder völlig neu erforschen und wahrnehmen.
WIE DIE KINDER LERNEN
Spielen um des Spielens willen
spielen zum Lernen, Erfahren & Leben
Tierkinder spielen kämpfen, um sich auf das Leben in der Wildnis vorzubereiten. Genau wie menschliche Kinder lernen sie dabei ihren Körper zu nutzen, ihre Sinne und Instinkte zu schärfen, Grenzen einzuschätzen, um später möglichst in ihrer Kraft das Leben zu meistern.
Die angeborene Lust am Lernen
Durch das Spielen erfahren wir unsere Welt und uns selbst mit einer gewissen Leichtigkeit. Die Freude am Erforschen und Erleben steckt naturgegeben und instinktiv in uns allen. Für Kinder ist das Leben ein einziger Erlebnispark; ein großes Spiel, welches es zu erforschen gilt. Geist und Körper arbeiten hierbei zusammen und unsere Synapsen im Gehirn werden besonders effektiv verknüpft. So ist es vielweniger die Lust am Lernen, als vielmehr einfach die Lust am Entdecken und Erfahren - ergo die Lust am Leben selbst!
Gewinnen & Verlieren = gleichgültig
Ein Kind spielt immer des Spielens wegen. Es geht im Spiel auf, ist völlig im Hier & Jetzt - anstatt im Ego. Dabei nimmt es jedes Spiel durch und durch ernst und behandelt es gleichzeitig mit einer Leichtigkeit, mit der es jedes Spiel sofort loslassen und zum nächsten übergehen kann. Der Spaß vieler Kinder beim Bau einer Sandburg gipfelt oft darin diese wieder zum Einsturz zu bringen - um sie daraufhin wieder aufzubauen oder einfach etwas anderes zu spielen. Denn es geht nicht um Erfolg, Gewinn oder Ertrag, sondern schlichtweg um das Spielen an sich. Genau bei diesem Spielen erfahren und verstehen Kinder sich selbst und die Welt.
»Ein guter Schulabschluss ist kein Indikator für Intelligenz, sondern für gute Anpassungsfähigkeit«
~ Gerald Hüther ~
Kindern muss man nicht beibringen ein guter Mensch zu sein. Sie sind es bereits. Man muss nur aufpassen, dass es sie bleiben.
Erst spielen wir und dann kommt der Frontalunterricht, bei dem es vorgefertigte Antworten gibt und freies Denken fast schon als Beeinträchtigung gesehen wird. Dort zählen die Bereitschaft sich anzupassen und gute Leistungen - alles nach vorgefertigtem Maßstab. Das Spielen um des Spielens Willens wird hier zu Gehorsam und Anpassung um des gesellschaftlichen Status' Willens.
Gleichheit statt Gerechtigkeit
Anstelle der Förderung des Einzelnen gibt es standardisierte Noten und Schablonen für alle - völlig egal welches Kind welche individuellen Fähigkeiten mit sich bringt, wird bei jedem nach dem gleichen Maßstab benotet, währen andere besondere Fähigkeiten in diesem System meist verborgen bleiben. Gerade Fächer wie Kunst, Musik und Sport, wo jeder eine andere Veranlagung mit sich bringt, unterliegen dieser künstlichen Struktur.
Was macht es wohl mit einem Kind, wenn es die ganze Zeit bewertet wird und es sich selbst nicht Ausdruck verleihen kann? Welche Auswirkungen hat das wohl auf sein Leben als Erwachsener?
Das Spiel als perfekte, natürliche Art zu lernen ist Ausdruck unserer göttlichen Fähigkeiten. Durch das schulische Lernen in seiner verstaatlichten Form dagegen folgt meist die Zerstörung des kreativen Genies und die Unterdrückung der individuellen Potenzialentfaltung. Nach dem Neurobiologen und Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther kommen 98 % aller Kinder hochbegabt zur Welt - nach der Schule sind es nur noch 2 %.